BBK Infobrief 1/2020
 
Liebe Klimabewegte,
ihr lest den ersten Infobrief in neuem Format. Von nun an werden wir regelmäßig über aktuelle klimapolitische Themen und Veranstaltungen informieren. Wir freuen uns über Feedback und wünschen viel Spaß beim Lesen!
 
Vom Kohle-Ausstieg zum Erdgas-Einstieg
 
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde der ebenso hart erkämpfte wie völlig unzureichende Kohleausstieg zu einem schleichenden Einstieg in den Ausbau fossiler Gas-Infrastruktur. Rund 200 geplante neue Gaskraftwerksblöcke in 120 Städten listet die Bundesnetzagentur momentan auf. Größtenteils handelt es sich um sogenannte KWK-Ersatzbauten, also Gaskraftwerke, die an die Stelle anderer, bereits existierender Kraftwerke treten. Es zeichnet sich also ab, dass die Kohlemeiler, die möglicherweise sogar durch das Kohleausstiegsgesetz noch künstlich am Leben erhalten werden, sukzessive durch fossile Gaskraftwerke ersetzt werden. Flankiert und ermöglicht wird das durch den geplanten Ausbau der Gasnetze.

Gas als einfache Scheinlösung
Kohle und Gas bilden in vielen Städten das Rückgrat der Fernwärmeversorgung. Anders als Strom lässt sich Wärme schlecht über lange Distanzen transportieren. Sie muss lokal produziert werden, also dort, wo sie auch genutzt wird. Mit dem Kohleausstieg stellt sich in vielen Kommunen die Frage, wie die Wärme zukünftig erzeugt werden kann. Eine Umrüstung alter Kohlemeiler auf Gas hat den – wenn auch kurzsichtigen – Vorteil, dass ein Umbau der Wärmeerzeugung zunächst nicht nötig ist. Gas kann, ebenso wie Kohle, Wärme mit sehr hohem Temperaturniveau liefern, die weiterhin zentral erzeugt werden kann. Die Einspeisung erneuerbarer Energien in das Fernwärmenetz hingegen erfordert eine Vielzahl an dezentralen Erzeugungsanlagen, die je nach Jahreszeit unterschiedliche Mengen Wärme und das auch noch mit unterschiedlichen Temperaturen bereitstellen. Eine enorme Herausforderung für die Wärmenetze. Diese Schwierigkeiten müssen aber ohnehin gelöst werden. Wenn jetzt auf Erdgas gesetzt wird, sind wichtige Jahre für den Klimaschutz verloren gegangen. Die erneuerbaren Technologien sind vorhanden und ihr Einsatz in Wärmenetzen ist möglich und erprobt. Die skandinavischen Länder sind uns hier weit voraus.

Ein Bärendienst für das Klima
Durch viele langjährige Kampagnen wurde Gas als vermeintlich saubere Brückentechnologie in der öffentlichen Wahrnehmung verankert. Dieses Image steht in absolutem Widerspruch zu den realen Klimawirkungen. Erdgas besteht fast vollständig aus Methan, einem Gas, das – betrachtet man den Zeitraum der nächsten 20 Jahre – die 87fache Klimawirkung von CO2 hat. Während der Verbrennungsprozess von Gas tatsächlich weniger klimaschädlich ist, liegen die Probleme hier in den Leckagen während der Förderung und des Transports. Gasunternehmen geben sich große Mühe, diese Emissionen kleinzurechnen, es wird aber immer deutlicher, dass gerade Fracking-Gas mindestens genauso klimaschädlich ist wie Kohle.
 
 
Bürgerbegehren in Hannover fordert regenerative Wärmeversorgung bis 2030
 
In Hannover bereitet ein Bündnis aus For-Future-Gruppen und Umweltorganisa-tionen derzeit ein Bürgerbegehren für eine echte ökologische Wärmewende in der Stadt vor. Mithilfe des Bürgerbegehrens soll der lokale Energieversorger, die enercity AG, dazu gebracht werden, das lokale Kohlekraftwerk bis 2026 abzu-schalten und gleichzeitig umfangreiche Potenziale für eine erneuerbare Wärme-versorgung zu heben. Der vollständige Ausstieg aus der fossilen Energiever-sorgung für das Fernwärmenetz soll bis 2030 erreicht werden. Wie das gelingen kann, hat das Bündnis eigens in einer Potenzialstudie untersuchen lassen.
 
Link zur Studie
Start der neue Kampagne: Risse in der Pipeline (Arbeitstitel)
 
Wir schauen nicht zu, wie die Gaslobby unsere Zukunft verheizt. Deshalb laden wir ein zur Aktionskonferenz vom 15.-17. Januar. Gemeinsam starten wir eine Kampagne, um diesen fossilen Lock-In zu verhindern. Ansatzpunkte gibt es genug: Kraftwerksneubauten, die Gaslobby, aber auch die kommende Bundestagswahl. Gemeinsam können wir zentrale Aktionen mit dezentraler Arbeit zum Umbau der Wärmeversorgung verbinden und eine bundesweite Sichtbarkeit für das Thema erzeugen.
 
Link zur Projektseite
Kontakt: gasausstieg@riseup.net
 
 
Crashkurse zur Wärmewende und zum Gasausstieg
 
Vielerorts erleben Umweltgruppen, wie ihr lokales Heizkraftwerk einfach von Kohle auf Gas umgestellt wird. Es gibt jedoch Möglichkeiten für eine erneuerbare Wärmeversorgung. Statt nach dem Kohleaussteg verzweifelt nach einem anderen Rohstoff zu suchen, der verbrannt werden kann, müssen wir uns von der eher primitiven Vorstellung verabschieden, dass nur Feuer wärmt. Eine erneuerbare Wärmeversorgung folgt einer grundlegend anderen Logik als eine zentralisierte fossile Wärmeerzeugung. Wärmenutzung und -bereitstellung muss kleinteiliger und diverser werden. Um zu zeigen, welche Techniken zur Verfügung stehen, haben wir den Crashkurs Wärmewende gestartet. In den ersten vier Teilen ging es um Wärmenetze, Wasserstoff, Solarthermie und Biomasse. Alle Vorträge gibt es auf unserer Homepage zum Anschauen und Nachlesen. Als nächstes Thema geht es am 18.11. um die Tiefe Geothermie.

Der Crashkurs Wärmewende läuft noch bis Ende Januar 2021
Direkt im Anschluss beginnt der Crashkurs Gasausstieg. In dieser Veranstaltungsreihe wollen wir herausfinden, warum die Nutzung von fossilem Gas gerade Hochkonjunktur hat und welche Weichenstellungen nötig wären, um Gelder statt in fossile Infrastruktur in den Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung zu investieren. Denn: nehmen wir das 1,5°-Limit ernst, müssen wir bis 2035 den Gasausstieg geschafft haben!
 
Link zum Crashkurs Wärmewende
 
 
Terminübersicht
 
18.11., 19 Uhr: Crashkurs Wärmewende, Thema Tiefe Geothermie

02.12., 19 Uhr: Crashkurs Wärmewende, Thema Biomasse

16.12., 19 Uhr: Virtueller Glühweinplausch zum Thema Wärme

Der Crashkurs wird am 13. und 27. Januar jeweils um 19 Uhr fortgesetzt.

15.01.2021 20 Uhr: Einfache Lösung oder neue Probleme? - Auswirkungen von Erdgas auf das Klima

15.-17.01.2021 Auftakttreffen der Anti-Gas-Kampagne. Anmeldungen an gasausstieg@risup.net

10.02.2021 19 Uhr: Crashkurs Gasausstieg
 
 
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