Runde 2 der Blancpain GT Series war ein Kampf auf Biegen und Brechen: In einem chaotischen Rennen mit viel Action und Dramatik lieferte der Thuner Kris Richard ein solides Rennen ab, mehr als Platz 32 von 48 Gestarteten war aber nicht drin.
 
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Liebe/r 
 
Silverstone: Lamborghini-Team mit Kris Richard
bei Chaos-Rennen im Hoch und Tief – Platz 32
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Runde 2 der Blancpain GT Series war ein Kampf auf Biegen und Brechen: In einem chaotischen Rennen mit viel Action und Dramatik lieferte der Thuner Kris Richard ein solides Rennen ab, mehr als Platz 32 von 48 Gestarteten war aber nicht drin. Trotz Startplatz 14 wurde das GT3-Trio von Daiko Lazarus Racing im Lamborghini #27 beim Silverstone-«Autoscooter» nach hinten durchgereicht. Grund: Ein ungeplanter Boxenstopp nach einer Kollision in Stint 1 brachte den Thuner GT3-Piloten und seine beiden Teamkollegen um alle Chancen, einen Insel-Exploit zu landen.
 
 
In Silverstone ging es gestern richtig zur Sache: Saisonlauf Nummer 2 der Blancpain GT Series war eine einzige Schlacht. Bei der Punkte-Meuterei beim 3-Stunden-Inselkracher war alles drin, was Motorsport ausmacht: Dreher, Abflüge, Crashes, Boxendramen, Penaltys, drei Safety-Car-Phasen und jede Menge Action und Dramatik. Oder: 180 Minuten Adrenalin pur – mit Puls 180. Wenn in Silverstone 144 Endurance Cup-Piloten in 48 GT3-Boliden einen ehemaligen Kriegsflugplatz im Tiefflug stürmen, erzittert die Insel. Als um 16 Uhr Ortszeit die roten Ampellichter erloschen und das Rennen freigegeben wurde, dauerte es gerade mal zwei Kurven bis zum ersten Startgewitter: Ferraris, Audis und Lamborghinis flogen gleich reihenweise von der Piste – oder wurden brachial in die englischen Leitplanken torpediert. Chaos total im «Home of British Motor Sport»: Die Naturrennbahn glich gestern dem teuersten Schrottplatz der Welt – nicht weniger als 14 Kollisionen wurden verzeichnet. Da ging es beim Europa-Auftakt der Formel 1 in der «Stierkampf-Arena» im 1'610km entfernten Montmélo auf dem Circuit de Catalunya schon fast heilig zu und her. Im Vergleich zum Blancpain-«Autoscooter» war der Gran Premio de España eher ein muttertägliches Schnarchrennen als ein PS-befeuerter Aufreger…
 
 
Von Platz 14 auf 40 durchgereicht…
Für Kris Richard ging es in Grossbritannien um viel: Nach dem Trainings-Abflug beim Saisonauftakt in Monza vier Wochen zuvor musste der GT3-Rookie diesmal abliefern. Entsprechend reiste der R-Motorsport Junior-Driver mit viel Druck auf die Brexit-Insel. Ein neuerlicher Fehler oder Abflug war nicht erlaubt – Daiko Lazarus Racing musste mit dem Lamborghini #27 diesmal unbedingt ins Ziel kommen – was auch gelang: Das Trio Pohler/Richard/Crestani raste in der Quali auf P14 und kam dann auch im Rennen über die Distanz – Schlussrang 32 von 48 gestarteten Autos. Auf den ersten Blick sieht Platz 32 zwar nicht bombig aus – aber in der Analyse der einzelnen Stints war viel Potenzial erkennbar. Der Lambo, wie schon in Monza noch ohne EVO-Update unterwegs, war durchaus konkurrenzfähig. Entsprechend war Grid-Position 14 bei 48 Startenden mehr als bemerkenswert – stark. Leider hatte Nicolas «Nici» Pohler, der für das Lazarus-Team die Startstunde absolvierte, dann 20 Minuten vor Schluss seines Stints extremes Pech: In der letzten Kurve vor Start-Ziel kollidierte er im Kampf um Platz 19 mit einem Lamborghini-Kontrahenten. Der 24-jährige Deutsche musste entscheiden: Pitstop oder weiterfahren – und entschied sich für die Box. Dort stellte sich aber heraus, dass der Schaden geringer war als angenommen. Pohler fuhr wieder raus – und für die Lenkradübergabe an Kris Richard dann wieder an die Box. Zu diesem Zeitpunkt leider nur noch auf Position 40. Als Kris Richard um 17.03 Uhr auf die Strecke raste, hatte er aufgrund des «doppelten Boxenstopps» natürlich wenig Aussicht auf Erfolg. Der Thuner löste seine Aufgabe aber souverän, obwohl er sich im Auto nicht wirklich gut fühlte: «Ja, Silverstone ist extrem herausfordernd. Eine brutale Strecke, mit diversen trickreichen Ecken. Hier das Lambo-Monster zu zähmen – und die richtige Balance zwischen Limit und übers Limit hinaus zu finden – war nicht einfach. Ich entschied mich deshalb für kalkuliertes Risiko. Durchs Feld pflügen, um um jeden Preis nach vorne zu preschen, war mir definitiv zu riskant. Ein 3-Stunden-Rennen musst Du richtig timen – da bringt es nichts, mit der Brechstange durchs Feld zu brettern. Das war letztes Jahr in der TCR Europe – bei 25-Minuten-Sprints – eine völlig andere Geschichte. Hier in dieser Serie musst Du als Team und Fahrer komplett anders taktieren: Der Unterschied zwischen Tourenwagen und Langstreckenrennen ist riesig», gibt der der Thuner denn auch ohne Wenn und Aber zu.
 
Kris Richard solid und ohne Fehler…
Vorne ging indessen, als Kris Richard Stint 2 fuhr, die Post ab – Pisten-Rodeo der ganz harten Sorte, was natürlich nicht gut gehen konnte. Die Folge: Erneut ein Crash – das Safety-Car musste raus. Der 24-jährige Thuner fuhr dann plötzlich direkt hinter dem Rennleader – obwohl eine Runde zurück. 20 Minuten gondelte das Feld hinter dem Safety-Car durch die englische Pampa, ehe das Rennen wieder freigegeben wurde. Kris Richard war dann im Lambo #27 für die restlichen 40 Rennminuten seines Stints ganz flott unterwegs, wenn auch ohne grosse Positionswechsel. Zeitweise lagen die Langstrecken-Boliden im hinteren Mittelfeld aber so nahe beieinander, dass zwischen P28 und P40 gerade mal zwei Sekunden lagen. So eng geht es im Endurance Cup zu und her: Fehler sind in dieser Serie keine erlaubt – sonst grüsst du als Pilot von der hintersten «Sitzreihe»…
 
 
Crestani dann mit Schlussspurt…
Den letzten Stint für Daiko Lazarus Racing, dem Italo-Team aus Padoa, fuhr dann Fabrizio Crestani ab 18 Uhr: Der erfahrene und blitzschnelle Italiener, ein alter Haudegen im GT3-Sport, kämpfte aber auch glücklos – mehr als Schlussrang 32 war nicht mehr drin, zumal der Schlussspurt dann einigermassen gesittet über die Bühne ging. Aber eben: Silverstone ist ein Biest: Der Traditionskurs, welcher dem British Racing Drivers’ Club (BRDC) gehört und zwischen Northampton und Brackley in der Grafschaft Towcester liegt, ist mit seinen 18 Kurvenkombinationen kein Zuckerschlecken – und verlangt allen alles ab. Kris Richard fasst das Geschehen so zusammen: «Natürlich hatten wir Pech – nach Startplatz 14 wäre viel mehr dringelegen – auch in unserer Silver-Cup-Wertung sah es zeitweise gut aus. Aber so geht es. In Monza war es mein Fehler, diesmal hatte Nici Pohler Pech. Das kann passieren. Wichtig ist, dass wir wissen, dass unser Auto schnell ist – und das stimmt uns zuversichtlich», so der Thuner. «Ich muss einfach noch mehr Vertrauen ins Auto aufbauen, da fehlen mir natürlich noch etwas die Kilometer und die Rennerfahrung in dieser für mich neuen Serie. Aber das kommt schon», sagt’s und blickt bereits auf’s nächste Rennen: In 19 Tagen, in Le Castellet. Da steht auf dem Circuit Paul Ricard, welchen Kris Richard gut kennt, Runde 3 auf dem Programm. Diesmal ein 6-Stunden-Rennen – oder 1'000 Kilometer. Für Mensch und Maschinen also doppelt hart. Kris Richard: «Ja, das wird ein beinharter Fight. Wir fahren dann bei Tageslicht los – und im stockdunkeln um Mitternacht ins Ziel. Notabene ohne Flutlicht.» Bis Paul Ricard sollte Kris Richard wieder zu 100% fit sein. «Ja, das hoffe ich. Ich habe die Auswirkungen des Monza-Crashs etwas unterschätzt.»
 
 
Jetzt noch Taxifahrten – dann nach Monaco…
Heute Montag morgen flog Kris Richard bereits um 06.40 Uhr aus London-Luton zurück nach Zürich. Im Verlauf der Woche stehen nochmals Physiotherapien sowie Training und Erholung auf der Agenda, ehe der GT3-Pilot am Wochenende für seinen Vertragspartner R-Motorsport (Aston Martin St. Gallen) wiederum Taxifahrten bei der DTM absolviert – in einem Aston Martin GT4, anlässlich Saisonlauf Nummer 2 der DTM im belgischen Zolder, wo R-Motorsport mit vier Aston Martins am Start steht. Dann geht es nach Monaco – Kris Richard ist Gast beim Formel 1-Klassiker. Nach dem Ausflug in die Häuserschluchten des Fürstentums fährt er dann sogleich nach Le Castellet weiter, wo in 17 Tagen bereits die ersten Freien Trainings für das bevorstehende 6-Stunden-Rennen im Endurance Cup und damit Saisonlauf Nummer 3 anstehen. Hoffentlich dann mit etwas mehr Glück: Gut, kann Kris Richard in Monte-Carlo beim Roulette im Casino schon etwas üben – damit dann die Kugel in Paul Ricard auf der richtigen Position zu liegen kommt. Na dann: Viel Glück – und bis in 17 Tagen im Süden von Frankreich…

TEXT: Marco Oswald/TEXTCUBE
Fotos: Photo 4 (Agentur)
Copyright: Kris Richard/2019
13. Mai 2019
 
 
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